Regina Spektor zuckersüss in Hamburg – 06/07/2009

rs06

Gestern war ein schöner Tag! Nach einigen verpassten Deutschland Konzerten in den vergangenen Jahren sah ich Regina Spektor endlich zum ersten mal live auf der Bühne. Das Konzert fand im Grünspan statt, ein wie sich herausstellte relativ kleiner Club in St. Pauli, direkt in der Großen Freiheit.
Einlass war 19 Uhr. Da ich eher keinen so großen Andrang erwartete und nicht all zu lange warten wollte, ging ich 15-30 Minuten später hin. Zu meinem Erstaunen waren um die Zeit jedoch schon die ersten Reihen vorne besetzt und der Saal füllte sich zusehends schnell. Überrascht war ich auch von der Absperrung, die aufgestellt war. Nichtmal damals beim Rilo Kiley Konzert in Berlin war eine aufgestellt worden und selbst da ließ sich das Publikum auch deutlich mehr Zeit, vor die Bühne zu gehen. Bei Mrs. Spektor wurde es aber schon bei der Vorband sichtlich “kuschliger” in der Menge und die Luft wurde heißer und heißer. Um für Erfrischung zu sorgen, schickte ich meine Begleitung los, um uns einen Orangensaft zu besorgen. Keine gute Idee! Pro Getränk – 20cl wohl gemerkt – bezahlte man im Grünspan 2,50Euro. Huiiii. Ein Bier gabs mit 30cl für ebenfalls 2,50Euro. Bei den Preisen wird einem ganz anders zu Mute und somit war die gedachte Erfrischung eher ein Ärgernis.
Ansonsten hat mir der Club aber sehr gefallen. Kleine Clubs mag ich sowieso lieber und der Grünspan hatte auch einen sehr netten Flair, obwohl es im Laufe des Abends wirklich viiiieeeel zu heiß wurde.

Fast pünktlich um 20 Uhr trat die Support-Künstlerin Alin Coen auf die Bühne. Ich erwartete eigentlich Reggie Watts, der Regina Spektor bereits einige Tage zuvor in Köln begleitete. Deshalb war ich eher erstaunt, diese junge Dame zu sehen. Sie begann ihren Auftritt mit einer herzlichen Begrüßung des Publikums und deutschsprachigen Liedern. Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan deutscher Musik, aber diese Künstlerin fand ich wirklich sehr gut! Vor allem weil sie mit ihrem Charme und ihrer offenen ehrlichen Art beim Publikum punkten konnte. Vor jedem Lied gab sie eine kleine Erklärung zum Song bzw. zum Liedtext ab, sodass man sich als Zuhörer sehr gut in die unbekannten Songs hineinversetzen konnte. Im Laufe ihres halbstündigen Auftritts spielte sie auch einige englischsprachige Lieder, was mir richtig gut gefiel. Ihr Musikstil ist typisch Singer-Songwriter. Also viel Gitarre, viel Text, viel Emotion. Mit ihrer Stimme klang jeder Song wie ein Gedicht. Zum Regina Spektor Publikum hat Alin Coen perfekt gepasst und mich jedenfalls in die richtige Stimmung für den Rest des Konzerts gebracht.
Interessierte können sich auf ihrer offiziellen Website umsehen. Dort gibt es neben Infos über die Künstlerin einen Link zu ihrer Myspace Seite, wo man sich einige Songs anhören kann. Da enspricht die Musik zwar nicht mehr ganz meinem Geschmack, aber live ist Alin Coen auf jeden Fall sehenswert!

21:15, nach ganzen 45 Minuten Warterei (warum auch immer), betrat die bezaubernde Regina Spektor die Bühne. Als erstes fiel mir auf, wie klein und zierlich sie wirkte. Wie ein kleines Mädchen grinste sie unschuldig ins Publikum und begrüßte es. Sogleich setzte sie sich an ihr Piano und begann zu spielen. Zu meiner Verwunderung waren die ersten beiden Songs auch die meiner Meinung nach besten des neuen Albums – “The Calculation” und “Eet”. Zusammen mit dem dritten Titel “On the Radio” sorgten sie zwar gleich für eine tolle Stimmung, aber ich hätte sie mir doch lieber mittig gewünscht und eigentlich auch so erwartet.
Weiter ging es mit etlichen neuen Songs und einer ausgelassenen Frau Spektor, die ständig mit dem Publikum rumwitzelte. Jeder Song war ein kleines Erlebnis und es machte Spaß, ihr beim Pianospielen zuzusehen. Ihr Stimme ist unverwechselbar und live noch schöner als auf Platte.
Immer wieder brachte ein Roadie ihr neue Getränke und jedes mal machte sie ihre kleinen Witze darüber. “Good Day Annanas. Annanas. When I’m in Hamburg, I drink Good Day Annanas”. Dabei hielt sie die Verpackung wie in einem Werbespot ins Publikum und präsentierte die Ware. Mit ihrer sympathischen Art und ihrem Charme hätte ihr wohl jeder im Saal das Getränkt sofort abgekauft. Und das nicht nur wegen der Affenhitze und den überteuerten Preise an der Bar. Obwohl es sehr gemein von ihr war, der schwitzenden Menge soetwas leckeres vor Augen zu halten.

Nach 17 Songs verließ sie mit ihrer Band die Bühne, um danach vier weitere Zugaben zu spielen. Als erstes spielte sie Samson, der Song, auf den ich am meisten gewartet habe. Ich denke nicht nur mir wurde dabei warm ums Herz. Es ist schon ein Erlebnis, diesen Song live zu hören. Einfach nur wunderschön.
Nach der sentimentalen Stimmung folgten Us, Fidelity und ein Country Song. Letzterer hat am Schluss nochmal für richtig Stimmung gesorgt, auch wenn sie – Madame Spektor und Band – ihn bisher nur sehr selten gespielt haben. Der Stilwechsel kam sehr gut an und passte ins abwechslungsreiche Programm des Abends.

Ein wirklich überaus gelungenes Konzert, das keine Wünsche übrig ließ. Regina Spektor ist und bleibt eine Ausnahmekünstlerin mit wahnsinnig viel Talent und Feingefühl, was ihre Musik betrifft. Von ihrem Charme mal ganz abgesehen.

Die Setlist:
01. The Calculation
02. Eet
03. On the radio
04. Machine
05. One more time with feeling
06. Laughing with
07. Time is all around
08. Folding Chair
09. Blue Lips
10. Bobbing for Apples
11. That Time
12. Apres Moi
13. Poor Little Rich boy
14. Human of the year
15. Riot Gear
16. Ghost of a corporate future
17. Man of a thousand faces
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18. Samson
19. Us
20. Fidelity
21. Love, you’re a whore

3 Comments

  • July 8, 2009

    fg

    nur zur info, das waren nicht 2 cl, sondern 20 cl, also 200ml oder 0,2l. und soo überteuert ist das für hamburg auch gar nicht.
    abgesehen davon kann ich nur zustimmen, ein wirklich sehr gelungenes konzert!

  • July 8, 2009

    Mandy

    Oh, danke für die Korrektur, hab’s verbessert! Also ich fand die Getränkepreise schon heftig. Vor allem weil ein son Getränk bei der Hitze ja wie ein Tropfen auf den heißen Stein ist … ;)

  • July 11, 2009

    Glomph

    Hey, Mandy!
    I love your photos and story. I was at the concert just to your right side, the old American goon with the Brillen. It was the best experience in a concert, ever. Even with the HOT HOT environment, and that I had just arrived a few hours before from San Francisco. I have a few videos that I took with my phone, at:

    http://jgblack.glomph.com/stuff/ReginaGruenspanVideos.html

    Best wishes,
    Jerry

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