May the 4th be with you – Peaches – Hamburg 04/05/2009

Fast drei Jahre nach meinem ersten Peaches Konzert in Los Angeles 2006 war dies nun endlich die nächste Gelegenheit, Miss Nisker mal wieder live zu sehen. Das Konzert fand im Übel & Gefährlich statt, eine Location in der ich zum ersten Mal war. Der Club befindet sich direkt im alten Luftschutzbunker Heiligengeistfeld inmitten von St. Pauli. Mit einem Fahrstuhl ging es hinauf in den vierten Stock wo sich der “eigentliche” Club, also Tanzfläche, Bühne, etc. befindet. Der ganze Ort und die Prozedur nach oben zu gelangen hat natürlich seinen eigenen Charme und ist wohl auch ziemlich einmalig. Die kleine Warteminute im Aufzug wurde noch durch ein Quiz des “Liftboys” etwas verkürzt, der den Leuten ein paar Fragen zu Peaches und dem neuen Album gestellt halt. Für Unterhaltung wurde also sogar dort schon gesorgt. Oben angekommen musste man auch nur etwa 30min warten bis die erste Vorband zu spielen begann.

Die kanadische Band “The World Provider” war allerdings alles andere als unterhaltsam. Mit einer gewissen homoerotischen Ausstrahlung und Outfits im Krankenschweter-Charme versuchten sie vergeblich das Publikum für sich zu gewinnen. Die Musik hatte für mich einen sehr undefinierbaren Stil, wer interessiert ist, kann sich auf bspw. last.fm mal einige Songs zu Gemüte führen – was ich persönlich nicht empfehlen kann. Der komplette Auftritt war für mich sehr verstörend, was seinen traurigen Höhepunkt erlangte, als sich beide Künstler von ihren Krankenpfleger-Outfits trennten (sich quasi die Kleider vom Leib rissen) und dadrunter ein spaciger Disco-Fummel zum Vorschein kam. Vor allem der junge Herr machte einen sehr bizarren Eindruck auf mich, der sich aber zugegebener Maßen gut mit seinem Gesang ergänzte. Von seinem entblößten Nippel mal ganz abgesehen …. Nicht nur ich schien erleichtert, als er ihren letzten Song ankündigte. Rückblickend muss ich wohl sagen, dass es mitunter die schlechteste (Vor-)Band ist, die ich je live gesehen hab (und ich hab sogar schon Bosse gesehen – also das will was heißen!).

Nach einer minimalen Umpaupause gings auch schon weiter mit Drums of Death, einem Londoner Künstler und quasi-DJ; in Zusammenhang mit Peaches vor allem durch sein Peaches-Mixtape bekannt. Eine seehr interessante Musikrichtung und live auf jeden Fall sehenswert! War wirklich positiv überrascht, vor allem da diese Art von Musik normaler Weise nicht wirklich meinen Geschmack trifft. Aber der Auftritt war wirklich genial und gut gemacht, eine willkommene Abwechslung zur vorherigen Band. Probehören kann man bekanntlich auf der Drums of Death Myspace Seite. Definitiv ein Klick wert!

Einige Zeit später betrat dann endlich Peaches die Bühne in einem Outfit, das entfernt wirklich an eine Frucht erinnerte – in pink. Eines von etwa insgesamt 8 Outfits, die sie an diesem Abend trug. Den Beginn machte sie gleich mit Songs vom neuen Album und mir kam es so vor, ale hätte sie generell mehr neue als alte Songs gespielt. Im Anbetracht der Setlist waren es aber genau 11 alte und 11 neue Songs. Fairer Ausgleich also. Damit spielte sie am Abend also fast das komplette Album durch. Leider nur fast, da gerade eines meiner Favoriten, nämlich “Billionaire”, auf der Setlist komplett fehlte. Schade.
Dafür hat sie ihre bekannten Gassenhauer wie “Hit it hard”, “Shake yer dix” “Fuck the pain away” und “Lovertits” rausgehauen. Besonders gefreut hab ich mich auch über “Kick it”, welches live richtig genial ist. Gefehlt hat mir aber dann doch noch “Giv’er”, auf das ich mich schon ein wenig eingestellt und auf der Setlist vermutet hatte. Aber man kann ja nicht alles haben …
Generell war die Situation etwas schwierig, weil man teilweise mit den neuen Songs ins kalte Wasser geschmissen wurde, bis auf bei denjenigen, die im Vorfeld bereits auf Peaches’ Myspace Seite veröffentlich wurden. Wie gesagt, fast das komplette neue Album live durchzuspielen hab ich in der Form vorher auch noch nie auf einem Konzert erlebt. Grundsätzlich kann man aber wirklich absolut nicht meckern. Das Konzert war von der Songauswahl sehr rund und ließ eigentlich nichts zu wünschen übrig. Es war im Grunde eben doch ein Promo-Auftritt.

Peaches war wirklich sehr gut in Form und hat für ordentlich Stimmung gesorgt. Der ständige Outfit-Wechsel war vor allem sehr interessant und sehr typisch für sie. Nach aufblasbaren Penissen und ihren Radfahr-Künsten in L.A. war eigentlich auf alles gefasst, aber es blieb lediglich bei den provokanten Outfits. Und bei zwei Leuten die mit einer riesigen blonden Perrücke auf die Bühne kamen und leicht bekleidet anfingen dort rumzutanzen. Für Überraschungen war also gesorgt.
Im Gegensatz zu Aussagen die ich vorher im Internet gelesen habe, Peaches sei etwas zurückhaltend oder gar unfreundlich zu ihrem Publikum, kann ich nur vom dem genauen Gegenteil reden. Sie ist mehrmals “gestagedived” (dummes Wort) und hat oft mit dem Publikum geredet. Von Zurückhaltung war da absolut keine Spur. Die Stimmung war klasse, auf sowie vor der Bühne.

Alles in allem ein super Konzert, das mit noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Wenn Peaches das nächste mal hier in der Nähe ist, werd ich die Möglichkeit auf jeden Fall wieder wahrnehmen um sie zu sehen. Ihre Konzerte sind wirklich jedes mal ein Erlebnis!

Zum Schluss aber nochmal eine kleine negative Anmerkung: So wie ich das gesehen hab, konnte man am Merchandise Stand nicht einmal die CD kaufen!? Der 4. Mai war gleichzeitig VÖ von “I feel cream” und ich dachte, mir gleich die Platte vor Ort kaufen zu können. Aber da wurde ich sehr enttäuscht. Generell war der Merch seeeehr schwach. Im Vergleich dazu, was 2006 in den USA angeboten wurde, war die Auswahl in Hamburg wirklich lächerlich. Nur ein einziges Shirt!!!(!!). Wirklich sehr sehr schwach ….

Die Setlist:
01. Show Stopper
02. Trick or treat
03. Hit it hard
04. Operate
05. Mud
06. Serpentine
07. Hot rod
08. Shake yer dix
09. Saskias guitar solo
10. Lose you
11. More
12. Boys wanna be her
13. Talk to me
14. Set it off
15. Kick it
16. Rock’n'Roll
17. Mommy complex
18. Fuck the pain away
____
19. I feel cream
20. Tombstone
21. Lovertits
____
22. Take you on
23. Relax

Be first to comment