I’m throwing my arms around Berlin – Morrissey 18.7.2011

Was soll ich sagen. Es war großartig. Im Vorfeld gab es ja einige eher negativ angehauchte Berichte über die letzten Konzerte Morrissey. Er sagt ohne erfindlichen Grund Konzerte ab und zeigt sich in “Fuck morrissey-solo.com”-T-Shirts. Inklusive ewiges Konzertverbot für den Macher der Website, David Tseng. Die Logik hinter diesem Verhalten bleibt fragwürdig. Ich habe leider keine Vergleichsmöglichkeit zu früheren Morrissey Shows und kann – vielleicht gerade deshalb!? – nur sagen, dass es unglaublich war. Die Setlist war extrem gut, eine Mischung aus alten Smiths Songs und einem Best Of seiner Solo-Alben. Der Start war perfekt mit “I want the one I can’t have” und “You’re the one for me, fatty”. Mit den neuen Songs wie “People are the same everywhere” oder “Action is my middle name” kann ich irgendwie noch nicht so viel anfangen. Aber “Meat is murder” war auch noch nie mein Favorit. Dafür waren Titel 11 bis 14 umso besser und die beiden letzten Songs (inkl. Zugabe) sowieso. Ich hatte selten so viel Spaß auf einem Konzert. Was unter anderem auch an der ständigen Situationskomik lag. Die Fans agierten, riefen, schrieen, warfen Blumen auf die Bühne. Morrissey reagierte hauptsächlich mit Mimik und Gestik. Ich weiß wie gesagt nicht, ob er sonst auch so auf Konzerten ist. Manchmal machte er einen sehr distanzierten Eindruck, auf der anderen Seite habe ich aber bisher kaum einen Künstler gesehen, der sich so mit dem Publikum beschäftigt. Ich habe aber auch selten gesehen, wie das Publikum so mit dem Künstler agierte. Für einige scheint Morrissey der ÜBER-Gott zu sein. Kurz vorm Schluss sprangen einige über die Absperrung vor der Bühne, nur um versuchen, seine Hand zu greifen. Und sie hatten sogar Glück und Morrissey griff ebenfalls nach ihnen. Irgendetwas war ganz besonders an diesem Abend. Vielleicht war es Morrissey und vielleicht ist diese Magie auf jedem Morrissey Konzert. Ich hoffe sehr, dass dieses gestern nicht mein letztes war und ich noch oft die Gelegenheit haben werde, ihn live sehen zu können. Jedenfalls kann ich den Hype um seine Person sehr gut verstehen.
Nach 75 Minuten war der gestrige Abend allerdings schon zu Ende und damit leider viel zu kurz. Die Zitadelle war aber eine perfekte Location. Das Wetter war super und der Sound überraschend gut.
Eine Vorband gab es übrigens auch: The Heartbreaks. Eine leicht durchschnittliche Indie-Rockband aus England. Wie bahnbrechend.

Fazit:
Man kann gar nicht so viele Worte für dieses wahnsinnig tolle Konzert finden. Es war alles in allem einfach perfekt. Alles hat gestimmt und Morrisseys Art als Mensch finde ich persönlich genau so sympathisch wie seine Songs. Die Musik ist einfach klasse und entweder man liebt ihn oder hasst ihn. Ich bin in der glücklichen Position, dass ich zu der ersten Kategorie gehöre und ihn unglaublich mag. Ohne Übertreibung, nach Roger Waters war das Konzert von Morrissey das beste, was ich bisher gesehen habe.

Setlist:
01. I Want The One I Can’t Have
02. You’re The One For Me, Fatty
03. You Have Killed Me
04. Speedway / Scandinavia
05. Ouija Board, Ouija Board
06. People Are The Same Everywhere
07. Action Is My Middle Name
08. Alma Matters
09. Satellite Of Love
10. I Know It’s Over
11. Everyday Is Like Sunday
12. One Day Goodbye Will Be Farewell
13. There Is A Light That Never Goes Out
14. I’m Throwing My Arms Around Paris
15. Meat is Murder
16. Irish Blood, English Heart

Encore:
17. First Of The Gang To Die

Und weil das Schönste nach Konzerten die schlechten Videoaufnahmen bei Youtube sind, hab ich trotzdem ein Video mit – zur Abwechslung – guter Qualität gefunden.

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