Kyuss Lives – Hamburg – 04/08/2011

Leider erst knapp zwei Tage nach dem Konzert kann ich nun endlich meine Eindrücke im Bericht Revue passieren lassen… Aber besser spät als nie.
Ich habe immer verschiedene Musikphasen. Im Moment ist es eine, in der ich absolut nicht in der Stimmung bin für harte Stoner Rock Konzerte. So machte ich mich am Donnerstag auch eher lustlos auf dem Weg zum Konzert. Ehrlich gesagt war ich selbst davon überrascht, wie wenig Lust ich auf den Abend hatte, zumal Kyuss einmal eine DER Bands für mich war. Quasi die Über-Stoner Rock Götter schlechthin und Josh Hommes erste Band. Das Konzert war auf 19Uhr angesetzt und wie es für die Freilichtbühne üblich ist, ist das auch der offizielle Beginn – nicht erst Einlass. Aufgrund der 30-minütigen Verspätung der S1 war ich dann etwa, wie viele andere Konzertbesucher auch, um 19:20 erst im Stadtpark. Ich war eigentlich froh, später dran zu sein. Ich dachte, ich stell mich irgendwo nach hinten, wo noch einigermaßen gute Sicht ist, verzichte mal auf Fotos und lass das Konzert ganz entspannt angehen. Aber da ich offensichtlich nicht die einzige war, die im S-Bahn-Wahnsinn stecken geblieben ist, war die Freilichtbühne erschreckend leer. So stellte ich mich, fast schon peinlich berührt, in die erste Reihe. Aber hey, gute Sicht = gute Fotos. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Band dann erst um 20Uhr beginnt zu spielen, aber sie kamen dann doch schon relativ zeitig um 19:30 auf die Bühne.
Einer nach dem anderen betrat die Bühne, angefangen mit Drummer Brant Bjork und ganz zum Schluss dann Garcia. Bei Kyuss ist ja irgendwie jeder Song ein Hit und so schmettertet sie einen nach dem anderen dem Publikum entgegen. Da wurde im übrigen auch von Song zu Song mehr, denn so langsam trudelten die ganzen Nachzügler an. Ab “Hurricane” ging es dann auch im Moshpit sehr rau zu und die Menge war am Headbangen. Am meisten Spaß hatte während des ganzen Konzertes wohl Scott Reeder. Er strahlte über das ganze Gesicht und wurde sehr gut vom Publikum angenommen, obwohl ich höre konnte, wie der ein oder andere enttäuscht war, dass Nick Oliveri nicht mit dabei war. Ich hatte ehrlich gesagt auch irgendwie mit ihm gerechnet, aber Reeder würde ich mittlerweile sogar als die bessere Wahl bezeichnen. Er ist einfach ein verdammt guter Bassist und passt perfekt zu Kyuss.
John Garcia wirkte anfangs etwas abwesend und distanziert. Aber je mehr Songs sie spielten, desto mehr taute er auf. Und die Stimmung unter dem Publikum war auch einfach extrem gut. Man sah nachher, wie viel Spaß er hatte. Kurz vorm Ende des Abends trat er nach ganz vorne zur Bühne, um die Leute nach einer Kippe zu fragen. Für Garcias Verhältnisse, der während des Konzertes oft mit dem Rücken zum Publikum stand oder die Bühne auch immer mal wieder verließ, kam das für mich sehr überraschend.
Ich hatte vorher einen Bericht gelesen, in denen die Band etwa 85 Minuten spielte. Einige Setlists aus vorherigen Konzerten zeigten auch manchmal nur knapp 15 Songs. Aber der Abend in Hamburg wurde länger und länger. Die spielten zwei Stunden mit zwei Zugaben. Mein persönliches Highlight war – natürlich – “El Rodeo”. Im Nachhinein hätte ich mich über Deamon Cleaner noch gefreut, aber es war auch so eine top Setlist. Der Sound war erstaunlich gut und ich schäme mich jetzt schon fast dafür, dass ich im Vorfeld erst gar nicht wirklich Lust auf das Konzert hatte. Es war erstklassige Musik und ich hätte im Grunde auch ohne John Garcia meinen Spaß gehabt. Nur instrumental Bass, Gitarre und Drums hätten schon voll gereicht, um ein tolles Konzert zu erleben. Rein vom technischen hat daher auch niemand gefehlt, weder Homme noch Oliveri. Kyuss Lives ist nicht Kyuss, aber die aktuelle 4er Truppe, mit immerhin 50% des Ursprungs-Lineups, stehen der Band um nichts nach.
Allerdings muss ich trotzdem gestehen, dass es mir vollkommen reicht, die Band nur einmal zu sehen. Vielleicht sollte sich Josh Homme wider Erwarten ja doch noch einmal erweichen lassen und sich ein letztes Mal mit Oliveri zu Kyuss zusammen tun und touren. Das wäre mit Sicherheit auch noch sehenswert. Ansonsten muss ich leider zugeben, meine Begeisterung für diese Musik ETWAS verloren zu haben. Und, auch wenn ich überraschender Weise in der ersten Reihe absolut nichts vom Moshpit gemerkt habe, es dieses Mal um mich kein Gerangel oder Geschubse gegeben hat und ich ja wusste, welches Publikum sich auf Konzerten wie Kyuss rumtreibt, muss ich trotzdem eins sagen: betrunkene, bekiffte Steinzeitmenschen, die die ganze Zeit die Texte mitgröhlen, sind einfach unerträglich.
Wie dem auch sei: Am Ende des Abends blieben keine Wünsche offen und es war ein grandioses Konzert. Kyuss lives!

Setlist:
01. Spaceship Landing
02. Gardenia
03. Hurricane
04. Thumb
05. One Inch Man
06. Odyssey
07. Freedom Run
08. Asteroid
09. Supa Scoopa and Mighty Scoop
10. Fatso Forgotso
11. Conan Troutman
12. Whitewater
13. El Rodeo
14. 100°

Encore:
15. Molten Universe
16. Tangy Zizzle
17. Allen’s Wrench
18. Un Sandpiper
19. 50 Million Year Trip (Downside Up)

Encore 2:
20. Green Machine

Kyuss at Stadtpark Hamburg - Garcia

Kyuss at Stadtpark Hamburg - Garcia smoking

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