Eric Clapton – Hamburg – 01-6-2013

Eric Clapton gehört für mich zu einer der lebenden Legenden unter den heutigen Musikern. Ich habe mich wirklich lange auf das Konzert in der Hamburger O² World gefreut und alle Erwartungen sollten an dem Abend noch übertroffen werden.

Als Vorband trat Andy Fairweather Low mit seiner Band The Lowriders auf. Fairweather Low spielt seit den 90er regelmäßig mit Clapton und gehört schon fast mit zum Inventar. Er war sehr gesprächig und die Musik war perfekt als Einstimmung auf Eric Clapton.
Schnell merkte man, dass der Sound in der Location zur Abwechslung mal wirklich klasse war und ich würde ihn schon fast als perfekt bezeichnen. Sehr gut ausgesteuert, weder zu laut noch zu leise. Vor allem als Eric Clapton Punkt 21 Uhr auf der Bühne stand, konnte man ohne Abstriche seiner Stimme und seinem Gitarrensound zuhören. Hinter sich hatte er eine großartige Band von Musikern, mit denen er eine lange Zusammenarbeit verbindet.

Die Band:

Eric Clapton – guitar, vocals
Doyle Bramhall – guitar
Greg Leisz – pedal steel guitar
Chris Stainton – piano, keyboards
Paul Carrack – organ, keyboards
Willie Weeks – bass
Steve Jordan – drums
Michelle John – backing vocals
Sharon White – backing vocals

Doyle Bramhall und Paul Carrack übernahmen bei einigen Songs zusammen mit Clapton die Leadvocals. Carrack und Clapton sangen mit It Ain’t Easy (To Love Somebody) gemeinsam auch einen Song von Carrack.
Das gesamte Konzert war in je zwei akustische und elektrische Parts unterteilt, in denen Clapton eben mal zur akustischen und elektrischen Gitarre griff. Von der Unterteilung und der Songauswahl war es perfekt. Er wechselte dadurch auch ständig die Musikstile. Mal war es viel Blues, dann wieder eher Rock’n'roll. Vor allem der Anfang des zweiten Acoustic-Sets war sehr ruhig und von der Instrumentalisierung eher reduziert, was ein toller Kontrast zum vorherigen elektrischen Teil war. Eric Clapton hat seine Songs toll variiert und in wunderbaren Versionen gespielt, die man so bisher vielleicht noch nicht gehört hat. Das gesamte Konzert war, logisch, sehr gitarrenlastig und vor allem zum Ende holten Clapton und seine Band alles raus, was möglich war. Aus ‘Crossroads‘ und ‘Little Queen of Spades‘ machten sie einen minutenlangen Jam und spielten einige Soli, zum Beispiel auch vom Keyboarder Chris Stainton. Die letzten Songs und die Zugaben waren dann das Nonplusultra des ganzen Abends. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass ‘Lay Down Sally’ leider nicht mit zum Set gehört hat und ich den Song schon ein weeeenig vermisst habe, da er ihn sonst relativ oft auf Konzerten spielt. Aber wat soll’s, dafür gab’s zwei Cream Songs.
Mich hat sehr die Lichtershow überrascht, wenn man es so nennen kann. Clapton und die Band waren super ausgeleuchtet und es wurde viel mit dem Licht gearbeitet, was ich so nicht erwartet hatte. Das lockerte alles sehr auf und war eine schöne Untermalung der Musik.
Auf der rechten und linken Seite am äußeren Rand der Bühne war jeweils ein Monitor befestigt, der Liveaufnahmen des Konzerts zeigte. Vor allem konnte man dadurch auch Nahaufnahmen der Gitarrengriffe von Clapton sehen.
Etwas schmunzeln musste ich über das Outfit von Clapton. Er trug ein feuerrotes Poloshirt (!!) mit einer lockeren Jeans. Er sah aus, als hätte er sein Sonntagsoutfit an und wäre gerade von der Couch aufgestanden und auf die Bühne gegangen. Zu seinem Auftreten passte es aber. Eric Clapton sagte den ganzen Abend nichts anderes als ‚Thanks‘ oder den Namen eines seiner Bandmitglieder z.B. nach einem Solostück. Dabei war er aber trotzdem sehr sympathisch, hat oft gelacht und man merkte ihm den Spaß an, den er auf der Bühne hatte. Trotz der fehlenden Interaktion mit den Zuschauern hat man sich trotzdem von ihm abgeholt und auch sehr ‘nah’ gefühlt.

Fazit
Holla die Waldfee. Eric Clapton ist ein Gitarrengott wie er im Buche steht – bzw. in der Gitarrenbibel. Das Konzert war mehr als großartig. Es war genau das, was man von Clapton erwartet, nur besser. Sein Gitarrenspiel muss man gesehen haben und jedem Song hat er live einen ganz neuen Charme verpasst. Dazu war der Sound in der O² World sogar mal richtig gut, sodass man das Konzert ohne Abstriche genießen konnte. Dass Clapton selbst sehr wortkarg war, spielt im Grunde gar keine Rolle, denn das war während des Konzerts so egal. Wie gesagt, er wirkte trotzdem sehr sympathisch und man war sowieso viel zu abgelenkt von der guten Musik, als sich über sowas Gedanken zu machen.
100 Euro für ein Ticket ist natürlich diskutabel, aber es war definitiv jeden einzelnen Cent wert. Auch ohne Sally.

Setlist:
Acoustic

1. Hello Old Friend
2. My Father’s Eyes

Electric

3. Tell the Truth (Derek and the Dominos Song)
4. Gotta Get Over
5. My Woman Got a Black Cat Bone (Hop Wilson Cover)
6. Got to Get Better in a Little While (Derek and the Dominos Song)
7. Come Rain or Come Shine (Harold Arlen cover)
8. Badge (Cream Song)

Acoustic

9. Driftin’ Blues (Johnny Moore’s Three Blazers Cover)
10. Layla (Derek and the Dominos Song)
21. It Ain’t Easy (To Love Somebody) (Paul Carrack Cover) (mit Paul Carrack)
22. Tears in Heaven
23. Nobody Knows You When You’re Down and Out (Jimmy Cox Cover)

Electric

24. Blues Power
25. Love in Vain (Robert Johnson Cover)
26. Crossroads (Robert Johnson Cover)
27. Little Queen of Spades (Robert Johnson Cover)
28. Cocaine (J.J. Cale Cover)

Encore:

29. Sunshine of Your Love (Cream Song) (mit Paul Carrack)
30. High Time We Went (Joe Cocker Cover)

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