Bob Dylan & Mark Knopfler – Hamburg – 31/10/2011

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Mark Knopfler stand pünktlich um 19:30 auf der Bühne und begrüßte das Hamburger Publikum nur kurz. Sein Teil blieb sehr unspektakulär und ohne Überraschungen. Interessant war nur, dass er in der Band unter anderem Unterstützung von Querflöte und Violine hatte. Aber „Interessant“ ist ja nicht immer „gut“. Die großen Dire Straits Songs blieben aus und erwartungsgemäß spielte er außer zwei Songs ausschließlich Titel von seinen Solo-Alben. Mit „Privateering“ spielte er einen bisher unveröffentlichten Song, den er aber schon auf einigen anderen Konzerten gespielt hatte – allerdings nicht in Hamburg. Und er versprach, dass es nicht das erste und letzte Mal gewesen ist, dass er ihn hier spielt. Vielleicht spielt er sich mit den paar Konzerten mit Dylan erst einmal warm, um dann – im nächsten Jahr!? – allein auf Tour zu gehen.
Ansonsten, wie gesagt, sehr unspektakulär. Die einzigen Highlights waren die Dire Straits Songs. Aber dem Publikum hat es musikalisch gefallen.

21:10 kam dann Bob Dylan auf die Bühne. Ohne ein Wort – wie üblich.
Dylan spielt nie ein und dieselbe Setlist. Er hat meist einen festen „Stamm“ (wie im Moment z.B. der erste und die letzten Songs oft gleich sind), verändert aber die Titel dazwischen. Beim heutigen Konzert waren auffällig viele Songs dabei, die er sonst eher selten spielt. Er hat zwar auf Klassiker wie z.B. „Rainy Day Woman“ verzichtet, dafür aber „Hard Rain’s A-Gonna Fall“ und – mein persönliches Highlight des gesamten Abends – „Boots of Spanish Leather“ gespielt. Vor allem „Boots“ spielt er wirklich sehr selten und ich habe mich über den Song wahnsinnig gefreut. Sehr positiv aufgefallen sind mir dieses Mal aber auch seine Songs aus den späten 80ern („Man in the Long Black Coat“) oder „Forgetful Heart“ von seinem 2009er Album „Modern Times“. Die ersten 5 Songs wurde er von Mark Knopfler an der Gitarre unterstützt.
Schon am Anfang merkte man, dass er sehr gut gelaunt und fit ist.
Zwischendurch griff er immer mal wieder zu seiner Mundharmonika und tänzelte zur Musik. An der Gitarre sah man ihn leider den ganzen Abend nicht. Dafür hatte er umso mehr Spaß an seinem E-Piano.
Er hat alle 14 Songs durchweg gespielt, ohne Zugabe. Aber: Er hat seine Band vorgestellt! Wie mittlerweile bekannt, macht er das nicht auf jedem Konzert. Aber offensichtlich hatte er am Abend sehr viel Spaß und genoss nach dem letzten Song den Applaus der Menge. Insgesamt hat er 1,5 Stunden gespielt.

Stimmung allgemein:
Bei Mark Knopfler war es etwas nach dem Motto „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“ – Die Zuschauer fieberten erst so richtig mit, als Knopfler mit „Brothers in Arms“ den ersten Dire Straits Titel anspielte und dafür Standing Ovations bekam. Bei den letzten drei Songs sind die meisten dann auch gut mitgegangen. Viele der Leute aus den ersten drei Blöcken im Innenraum sind dann auch bis zur Bühne vorgelaufen, soweit es die Absperrung erlaubte.
Bei Dylan war die zweite Hälfte seines Konzertes klar beliebter beim Publikum. Er spielte vieles im Rock’n’Roll-Stil und da blieb dann kaum einer mehr auf seinem Platz sitzen. Am Ende haben sich alle im Innenraum an die Bühne gedrängt. Aber – sehr komisch: Vor und während „A hard rain …“ sind sehr viele Leute von ihren Plätzen aufgestanden und rausgegangen. Es war sehr unruhig in der Menge. Vielleicht auch, weil viele vom Unterrang versuchten, in den Innenraum zu kommen, um ebenfalls vor der Bühne zu stehen. Es war zum einen für die restlichen Zuschauer sehr nervig und vor allem respektlos dem Künstler gegenüber – finde ich.

Fazit:
Nach dem Konzert im Juni im Stadtpark, hatte ich meine Erwartungen ja eher runter geschraubt. Aber es war wirklich absolut sehenswert und es hat dieses Mal wirklich Spaß gemacht, Bob Dylan zu sehen. Wie ich später bei der Umfrage feststellen musste, war ich aber offenbar eine der wenigen, die so viel Freude an Dylans Part hatte. Alle waren begeistert von Knopfler und enttäuscht über die Stimme von Bob Dylan. Aber irgendwann müssen die Leute mal begreifen, dass er sich mittlerweile nunmal so anhört. Klar ist es mehr und mehr Sprechgesang, aber mit dem Wissen geht man eigentlich auch schon auf seine Konzerte. Sie können sicher kaum erwarten, dass er sich heute noch anhört wie auf „Blonde on Blonde“ (und selbst da hat er ja schon mehr genuschelt als gesungen).
Knopfler fand ich solala. Er hat nicht annähernd das gezeigt, was er wirklich draufhat. Der typische Knopfler Gitarren-Sound hat total gefehlt. Stattdessen bekam man Querflöte und Violine zu hören …
Generell haben beide aber ganz gut zusammen gepasst. Knopfler war nicht zu viel Blues und Dylan nicht zu viel Folk.
Allgemein war es ein toller Abend mit zwei unglaublich talentierten Menschen. Und zumindest Dylan würde ich auch gerne noch ein 4., 5., 6. Mal live sehen wollen. Im Vergleich zum Konzert im Juni war er heute wie ausgewechselt.

Setlist Mark Knopfler:
1. What It Is
2. Cleaning My Gun
3. Sailing to Philadelphia
4. Hill Farmer’s Blues
5. Privateering
6. Song for Sonny Liston
7. Done With Bonaparte
8. Marbletown
9. Brothers in Arms (Dire Straits Song)
10. Speedway at Nazareth
11. So Far Away (Dire Straits Song)

Setlist Bob Dylan:
1. Leopard-Skin Pill-Box Hat
2. Boots of Spanish Leather
3. Things have changed
4. Man in the long black coat
5. The Levee’s gonna break
6. Not dark yet
7. Rollin’ and tumblin’
8. A Hard Rain’s A-Gonna Fall
9. Highway 61 Revisited
10. Forgetful Heart
11. Thunder on the mountain
12. Ballad of a thin man
13. All along the watchtower
14. Like a rolling Stone

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