Avett Brothers – Hamburg – 25/08/2011

Ganz ehrlich, ich bin verliebt. Und auch 24 Stunden nach dem Konzert bin ich immer noch ganz hin und weg von den zwei Brüdern und ihrer Band. Ihr Auftritt in Hamburg fand gestern, den 25.8.2011, in der Fabrik statt. Es war mein erstes Konzert dort, bei einer Lesung von Heinz Strunk war ich vor ein paar Monaten allerdings schon einmal da, wusste also, was ich in etwa zu erwarten hatte. Ich hab es mir ganz gemütlich vorgestellt, in einem kleinen Kreis, ohne nervige Absperrungen, ohne noch nervigere Security. Wie ein gutes Folk-Rock Konzert eben sein muss und meine Erwartungen. Dass meine Erwartungen aber weitaus überschritten werden sollten, damit hatte ich nicht gerechnet.
Der Beginn war für 21Uhr angesetzt, was ich persönlich sehr spät finde. Da zusätzlich auch noch eine Vorband spielte, begannen die Avetts erst gegen 22Uhr. Kurz nach neun war ich da, um mir zumindest einen Eindruck von der (Berliner) Vorband “Charcoal Sunset” zu verschaffen. Die gingen allerdings schon um etwa 21:15 wieder von der Bühne. Wenn die wirklich um 21Uhr begonnen haben, war es ein wirklich sehr kurzer Auftritt. Das sollte mich allerdings nicht weiter stören, denn die Vorband war so unwichtig und durchschnittlich von den 2-3 Songs die ich mithören konnte. Wieder nur ein weiterer Beweis, dass meine Vorurteile gegenüber deutschen Bands völlig berechtigt sind.
Nach viel zu langem Warten kamen die Avett Brothers dann irgendwann gegen 10Uhr auf die Bühne. Gleich bei den ersten Songs war der Sound so grandios und die Band hat das Publikum vollkommen in den Bann gezogen. Ziemlich am Anfang spielten sie “Paranoia in B-Flat Major” und “Shame”, zwei meiner Lieblingssongs der Avett Brothers vom großartigen Album Emotionalism. Fast jeder Titel war tanzbar und wer sich nicht bewegte, mit dem stimmte irgendwas nicht. Sehr lustig war auch, wie ein Typ ständig headbangte, als gäbe es keinen Morgen. Ich dachte, soetwas sieht man nur auf Metal oder Hardrock Konzerten. Aber nein, man kann auch bei einem Folkrock Konzerts headbangen. Erkenntnis des Tages.

Avett Brothers Hamburg 1

Mein persönliches Highlight war der Song Pretty girl from Annapolis mit einem Interlude des Tom Waits Klassiker “Fish & Bird”. Sehr schnell erschien am Abend auch gleich bei Youtube ein Video davon. Wirklich tausend Dank an die Person, die das hochgeladen hat. Der Moment war wirklich ohnegleichen.Sehr ärgerlich finde ich im Nachhinein, dass ich mir für Fotos einen sehr unglücklichen Platz gesucht habe. Ich hätte wirklich weitaus (!) bessere Bilder machen können. Und hätte ich gewusst, dass in der Fabrik nicht einmal die Taschen kontrolliert werden, hätte ich mir vielleicht sogar überlegt, meine DSLR mitzunehmen. Aber so konnte ich mich zumindest mehr auf die Band konzentrieren. Ähnlich wie bei Morrissey war es auch beim Avett Brothers Konzert so, dass die Lyrics sehr hervorstanden. Sie haben sehr deutlich gesungen und ich habe in manchen Songs Facetten erkannt, die ich vorher nie rausgehört habe. Die beiden Herren sind nicht nur unglaublich gute Musiker, sondern auch noch verdammt gute Songwriter.

Ich hatte im Vorfeld schon gehört, dass ihre Konzert sehr gut sein sollen, aber sie haben wirklich ganz neue Maßstäbe gesetzt. So viel Unterhaltung und Spaß hatte ich wirklich selten.
Von der Setlist her haben sie in etwa dieselben Songs gespielt, wie auf den vergangenen Konzerten in Berlin oder Köln. Am Tag zuvor in Amsterdam stand “If it’s the Beaches” auf der Liste. Den Song spielten sie leider nicht. Vielleicht ist es auch besser so, denn der Song hätte mich wirklich fertig gemacht, weil der so unfassbar schön ist. So viel Glück hab ich nicht, dass sie ihn ausgerechnet auch noch in Hamburg spielen. Vielleicht versuche ich es demnächst auch mit einem gebastelten Plakat mit dem Songnamen drauf und halte ihn hoch. Natürlich mit der Anmerkung, dass ich gerne ein Kind von einem der beiden hätte. Wo ich gerade über Kindermachen spreche, irgendwie hätte schon noch die ein oder andere Ballade zusätzlich dabei sein können. “10.000 Words” haben sie gespielt und “I & Love & You”. Aber “January Wedding” war auch noch dabei, wie mir gerade einfällt. Grandioser Song, wunderwunderschön. Generell stell ich mir “I would be sad” auch als guten Livesong vor, aber den haben sie nicht gespielt. Beim Blick auf die Setlist wird deutlich, dass es im Grunde aber absolut keinen Platz für offene Wünsche gab. Nichteinmal annähernd. Perfektion eines Konzertes sieht in etwa genau so aus. Und ich glaube egal mit welcher Stimmung man auf das Konzert gegangen ist, am Ende ging jeder glücklich mit einem Lächeln auf dem Gesicht aus der Fabrik.

Avett Brothers Hamburg

Ich hatte einen wunderbaren Abend mit den Avett Brothers und als Liveband setzen sie wirklich komplett neue Maßstäbe. Es hat einfach absolut nichts gefehlt, es war rundum perfekt. Damit gehören die Avett Brothers jetzt offiziell zu meiner Liste von Bands, die ich immer und immer wieder live sehen würde und werde. Wann ist die nächste Tour?

Setlist:
01. Shame
02. Tin Man
03. Pretty Gril from Annapolis (Tom waits’ Fish & Bird interlude)
04. Head Full of Doubt, Road Full of Promise
05. Left on Laura, Left on Lisa
06. And it Spread
07. Blue Ridge Mountain Blues
08. Incomplete and Insecure
09. Paranoia
10. 10,000 Words
11. Living of Love
12. The Fall
13. Will You Return?
14. January Wedding
15. Go to Sleep
16. Kick Drum Heart
17. I and Love and You

Encore:
18. Never Been Alive
19.Down in the Valley

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