Interview: The Avett Brothers

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Nachdem am Wochenende offenbar die halbe Crackerfarm-Familie in Hamburg zu Gast war, durfte ich nicht nur Langhorne Slim interviewen, sondern auch die Avett Brothers, die am Dienstag, den 5. März, mit Begleitung von Grace Potter in der Fabrik ihr Konzert spielten. Sie haben mir verraten, wie sie ihr neues Album ‘The Carpenter’ zusammen gestellt haben, warum man es mit Star Wars vergleichen kann und dass eines ihrer größten Komplimente vom Lynryd Skynyrd Drummer Artimus Pyle stammt.

Q: Ihr habt nicht viele Songs mit Banjo auf dem Album. War das Eure Absicht? (There are not many songs with a banjo on this album. Was it a decision you made or did it just „happen“?)

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Seth: Wir haben es für jeden einzelnen Song entschieden, aber wir haben es nicht vorsätzlich gemacht, als wir mit den Aufnahmen begonnen haben. Wir haben uns nicht gesagt „Lasst uns ein Album aufnehmen, das wenig Banjo hat“. Die Songs selbst haben uns vorgeschrieben, wie sie klingen sollten. Wenn jeder Song danach gerufen hätte, mit Banjo gespielt zu werden, hätten wir damit kein Problem gehabt. Wir haben es also für jeden Song individuell bestimmt, aber nicht vorn vorn herein mit irgendeiner Absicht.

Q: Es ist also etwas, was spontan passiert. (So it is something that happened spontaniously.)

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Scott: Ja, genau. Du nimmst den Song auf und sagst Dir, woah, etwas klingt zu grob oder zu rau, oder das ist zu laut oder das ist zu viel davon…, und dann änderst Du es. Wir verändern ständig die Instrumentation während des Aufnahmeprozesses. Der Schlüssel ist, dass wir sowie nicht einem Instrument ergeben sind oder einem Sound an sich. Wir versuchen, dem Songwriting an sich treu zu bleiben und so läuft es dann ab.

Q: ‘Paul Newman Vs The Demons unterscheidet sich stilistisch von Euren anderen Songs. Habt Ihr vor, in Zukunft ein Album nur in diesem Stil zu machen? Ein Rock’n Roll Album? (Paul Newman Vs The Demons has a very different style – would you do an album with a style like that? A Rock’n roll album?)

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Scott: Sicher, wir haben es davor schon gemacht, bevor wir in dieser Band waren. Diese Band hat angefangen als eine Art Country- oder Folkband, aber der Stil verändert sich ständig. Sogar ‚I and Love and You’ war mehr im Rock-Genre als die Alben davor. Aber in vielerlei Hinsicht, weißt Du, wo steckt man Neil Young hin, wenn’s um das Genre geht? Wahrscheinlich Rock’n Roll. Ich würde sagen, wir sind Neil Young wahrscheinlich sehr ähnlich. Wir nutzen eine Reihe von Sounds und Instrumenten, die ihm ähneln wie Folk, Rock’n Roll, Punk Rock, Country, … Zum Großteil ist es vermutlich ein sehr amerikanischer Sound, mehr oder weniger, der musikalisch auf die Wurzeln der amerikanischen Musik zurückeght.

Q: Welchen Hintergrund hat der Song? (What’s the story behind the song?)

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Scott: Paul Newman ist ein gutes Beispiel für jemanden, dem die Welt zu Füßen liegt. Sehr berühmt, sehr gutaussehend, sehr respektiert, sehr talantiert. Gleichzeitig hat er das immer dazu benutzt, gutes zu tun. Kennst Du seine Produkte, ‚Newman’s Own’, seine Lebensmittel? In den USA kann man etliche Sachen von ihm kaufen.
Seth: Er hat seine eigene Lebensmittel-Kette.
Scott: In den USA gibt’s etliches: ‚Newman’s Own Salad Dressing’, Kaffee, Salsa, … alles mögliche. Die ganzen Einnahmen davon gehen an Charity. Es ist einfach ein sehr schönes Beispiel. Außerdem sind im Song einige Hinweise darauf, seine eigenen Dämonen zu besiegen, sich seiner Menschlichkeit gegenüber zu stellen.

Q: Wäre das nicht auch eine Idee für Euch? Eigene Avett Brothers-Produkte? (So what about Avett Brother products?)

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Seth: Haha, wer weiß! Man weiß nie … Avett Brother Salsa!
Scott: Grace Potter hat eine eigene Schokoladensorte und Süßigkeiten. Sie hat einiges.
Seth: Man weiß nie. Avett Brother Frozen Burritos!

Q: Wie habt Ihr ‘The Carpenter’ zusammen gestellt? (What’s the process of putting the album together?)

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Scott: Wir hören uns alle Songs an und versuchen uns zurückzurufen, welche am einprägsamsten sind, aus welchen Gründen auch immer. Das ist aber immer unterschiedlich, jeden Tag. An einem Tag trifft Dich ein Song auf eine andere Art und Weise als ein anderer. Zu erst machen Seth, Rick Rubin und ich das auch allein. Wir hören uns die Songs an und jeder legt dann eine Liste auf den Tisch und sagt, „So sollte das Album aussehen“. So sehen wir, ob wir die selben Songs ausgesucht haben. Die nehmen wir dann und sagen okay, das ist der Anfang. Dann setzen wir uns wieder hin und wir drei machen das Ganze noch einmal und schauen, was passiert. Und währenddessen entsteht das Konzept des Albums und eine Geschichte wird geboren, ein Motiv gestaltet sich. Es ist eine Art zu schreiben, sich auszudrücken, genau wie einen Song zu schreiben. Es ist die Geschichte, die man zusammen setzt. Wie schauen auch, wie die Songs dann zusammenarbeiten. Das ist der schematische Ablauf, wie wir vorgehen. An diesem Punkt haben wir uns die Songs so oft angehört, dass wir sie sehr gut kennen. Manche bleiben einfach an der Spitze und werden wichtiger als andere.
Seth: Wie auch immer wir es machen, es gibt immer Songs, bei denen wir denken „Ich kann nicht glauben, dass er es nicht auf’s Album geschafft hat!“

Q: Was ist die Geschichte, das Motiv hinter ‚The Carpenter’? (What’s the story behind ‘The Carpenter’?)

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Scott: Im Endeffekt haben wir sehr viel über Leben und Tod geredet. Ich hab’s in der Vergangenheit schon oft gesagt, Leben und Tod sind nur Symbole für Hallo und Auf Wiedersehen und andersrum. Gut und schlecht, dunkel und hell und Tag und Nacht. Das ist einfach nur Drama. Das ist, als wenn wir uns eine Show ansehen. Wir sehen uns das Gute und Böse an, wie in Star Wars. Das ist ein uralter Ansatz, eine Geschichte zu erzählen. Ich glaube uns ist das gar nicht so richtig klar gewesen, bis wir das Album aufgenommen haben. Besonders als wir bei der Planung der Reihenfolge entschieden haben, wie das Album aussehen soll. Dann haben es die ersten gehört und gesagt, dass es ein ziemlich dunkles Album ist, es sei bedrückend. Eigentlich wollten wir ein Album rausbringen, dass gerade nicht so bedrückend ist wie unser letztes. Ich glaube zum Schluss haben genau das Gegenteil gemacht. Aber es war aufrichtig, es war, war es war. Wir haben es nicht aus einem bestimmten Grund getan, außer das auszudrücken, wo wir uns zu der Zeit befanden.

Q: Auf dem Album gibt’s es auch wieder einen Song Eurer ‘Pretty Girl Series’. Wie kam es zu dieser Serie? (On the album there is another song of your ‘Pretty Girl series’. How did you come up with the series? How did it start?)

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Scott: Da gibt es zwei Gründe. Nummer eins: Wir wollten die Anonymität eines bestimmten Mädchens wahren. Wir wollten nicht einfach sagen „Ein Song für …“ was auch immer ihr Name ist. Gleichzeitig haben wir viel Jimmy Rodgers gehört. Es ist eine ziemlich legendäre Persönlichkeit im amerikanischen Folk. Ich glaube in den 30ern … 40ern …?
Seth: Ja, ich glaube 40er, 50er Jahre, ich bin mir nicht sicher. Er war einer der ersten Countrymusiker.
Scott: Er war einer der ersten weißen Blues-Spieler, er hat Country-Blues gemacht.
Seth: Er hat gejodelt und hatte diese ‚Yodel Series’: Blue Yodel No. 9, Blue Yodel No. 21, was auch immer. Und wir dachten, Hey, es wäre cool, auch so eine Serie zu haben. Es macht Titel und Songs zu finden auch um einiges einfacher. So hat es angefangen. Und wir kennen einfach viele hübsche Mädchen. Das Wort ‚Pretty’ bezieht sich nicht nur auf jemanden, der äußerlich schön ist. Wir sind schon so vielen Menschen begegnet, die ihre Schönheit auf andere Art und Weise gezeigt haben. Und so wurde es zu einer sehr ergiebigen Basis für Songs.

Q: In den USA seid Ihr das Gesicht einer GAP-Kampagne. Wessen Idee war das? (You just worked for a GAP campaign. How did it come to that?)

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Seth: Sie sind auf uns zugekommen. Scott wollte schon immer ein Model sein.
Scott: Ich habe meine Chance als junger Mann verpasst … zu viel Zeit vor dem Spiegel verbracht.
Seth: Einige von denen, die die Kampagne betreuten, waren Fans von uns und kamen einfach auf uns zu. Wir dachten sofort, es wäre eine interessante Idee, weil wir schon einige der GAP Kampagnen kannten, die vorher rauskamen. In den 90ern und davor war es sehr klassisch, schwarz und weiß, sehr einfach und schlicht, was wir mochten. Deshalb haben wir die Chance gesehen, uns dieser Tradition anzuschließen. Alle waren sehr nett und begeistert, uns dabei zu haben. Es hat sich einfach so ergeben.
Scott: In vielerlei Hinsicht haben wir es auch gemacht, um zu experimentieren und zu lernen, mal etwas anderes zu machen. Am Anfang habe ich Seth glaube ich etwas hineingezogen, aber es war eine tolle Erfahrung. Leute wie Willie Nelson, Ryan Adams und Jakob Dylan, Lenny Kravitz, viele große Namen haben es in den 2000ern gemacht. Wir dachten, es ist eine gute Firma und es sieht gut aus. Künstlerisch sah es nett aus und wir mochten die Idee der Kampagne. Es war toll.

Ich habe mit den Brüdern dann kurz über ihren Auftritt bei den Grammys 2011 mit Bob Dylan geredet, was zu folgender Frage führte:
(I talked with them about their appearance at the Grammy Awards 2011 with Bob Dylan which lead to the following question)

Q: Neben Bob Dylan auf einer Bühne zu stehen kann man sicherlich als großen Kompliment ansehen. Aber was schmeichelt Euch als Band am meisten? (It’s probably an honor for a band to play with Bob Dylan. But what would you say is the greatest compliment for you as a band?)

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Seth: Es ist schwer für uns, eins zu nennen, weil … so etwas wie die Grammys ist einfach sehr groß und aufgeblasen und wird von so vielen Menschen gesehen. Es war großartig und unglaublich und ein Kompliment, in so guter Gesellschaft zu sein. Es war alles toll.
Ich erinnere mich, als wir ein paar Tage später in West Virginia waren und nach der Show ein paar Fans auf uns zukamen. Einer von ihnen hat mir erzählt, dass unsere Musik ihn durch eine sehr schwere Zeit in ihrem Leben geholfen hat, dass sie eine bestimmte Krebserkrankung hatten und unsere Musik ihnen Kraft gegeben hat. Man kann das nicht herabsetzen, das ist genau so groß. Man kann sich an jedem Kompliment festhalten, jedes noch so kleine Stück davon. Und sich dann sagen, es macht Sinn, dass ich weitermache, weil es jemandem helfen wird oder weil mich jemand darin bestärkt.
Scott: Genau. Und ich finde Seth hat einen guten Punkt getroffen, dass es das eine gibt, was so laut und riesig ist und wie eine große Ehre zu sein scheint. Was es natürlich auch ist. Aber dann gibt es diese intimen Komplimente, wie zum Beispiel Artimus Pyle. Der Drummer von Lynyrd Skynrd. Wir haben vor ein paar Monaten in den Bergen von North Carolina mit einer Gruppe von anderen Musikern gespielt. Ihr Sänger starb vor Jahren bei einem Flugzeugabsturz, Ronnie Van Zant, er ist legendär. Er [Pyle] hat zu Seth gesagt: „Du und Dein Bruder, Ihr schreibt Songs für die Menschen.“
Seth: Genau. „Du und Dein Bruder, Ihr habt das, was Ronnie hatte. Ihr habt die Begabung, Euch mit Menschen zu verbinden.“
Scott: Grammys, Awards, Bekanntheit, … All das wird beiseite gelegt. Wenn Du für die Leute schreibst, spielt das alles keine Rolle. Wir erinnern uns ständig daran. Wir machen das, was wir wollen. Das andere alles zählt nicht und wir bleiben auf diesem Weg. Es sind gerade diese Komplimente, die stillen, die in besonderen Momenten passieren und von denen niemand weiß. Die sind sehr, sehr wichtig für uns.

Q: Bei Euren Konzerten spielt Ihr jede Nacht eine andere Setlist. Wie sucht Ihr die Songs aus? (Every night at a concert you play a different setlist. By which criteria do you decide which song you’re gonna play?)

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Scott: Genau, jede Nacht. Ich habe schon gesagt: „Seth, warum machen wir nicht einfach eine Vintage-Setlist? Wir nehmen irgendeine von früher und machen’s einfach.“ Aber dann denken wir, “Das wird nie passieren”. In den nächsten Stunden werden Seth und ich uns zusammensetzen. Wir suchen uns den ruhigsten Raum, den wir finden können. Wir denken dann darüber nach, was heute passiert ist, wo wir uns befinden, was wir lernen. Wir denken über Herausforderungen nach, auch darüber, was Du gesagt hast. Und daraus machen wir eine Setlist.

Q: Wie Ihr schon erwähnt habt, gibt es einige Songs von Euch, die es nicht auf ein Album geschafft haben. Performt Ihr die dafür live? (You mentioned before that there are many songs that didn’t make it on an album. Do you perform those songs live?)

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Seth: Ja, ein paar davon, aber im Moment sind glaube ich keine davon auf der Setlist …
Scott: Skin and Bones und Never Knew Love, … Wir machen es nicht mehr so oft wie früher. Wenn wir heute zum Beispiel einen Song fertig geschrieben hätten, würden wir ihn heute Abend auch live spielen. Wir haben das ständig gemacht. Aber je mehr Songs sich anhäufen, desto mehr Leute wollen auch bestimmte Songs hören. Es funktioniert nicht mehr so gut.
Seth: Wegen des Internets. Wenn Du einen Song spielst, wird er gleich veröffentlicht. Deshalb versuchen wir das Gleichgewicht zu halten. Hier und da teilen wir neue Songs, aber generell wollen wir uns etwas für ein neues Album aufbewahren.

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Scott: Mir wurde gerade erzählt … Paul, unser Bassist, der für Bob hier ist, einer seiner Freunde hat einen Song auf Youtube gehört und gesagt, Hör Dir den an! Er hat ihn sich angehört und gesagt „Das klingt wie ein Neil Young Song!“. Wir haben es gegoogelt und es war ein Song von uns! Es war ein Song, den wir nie veröffentlicht haben. Es ist lustig, denn die Leute covern ihn und spielen ihn, weil wir ihn öfter live performt haben. Er ist jetzt da draußen. Von den Songs gibt es einige, die gecovert werden oder für Hochzeiten gespielt werden. Es ist verrückt.

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