Interview: Taylor Goldsmith (Dawes)

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Nach langem Warten erschien im September mit ‘Stories Don’t End’ das dritte Album von Dawes auch endlich in Deutschland. Begleitend dazu haben sich die Brüder Taylor und Griffin Goldsmith, Wylie Gelber und Tay Strathairn nach langer Tour durch die USA (u.a. auch als Support von Bob Dylan) wieder nach Deutschland begeben. Am 13. September spielten sie im Hamburger Molotow ihr vorletztes Konzert in Europa. Vor ihrem Auftritt habe ich Sänger, Gitarrist und Songschreiber Taylor Goldsmith zum Interview getroffen

Mit Eurem Cover zu ‘Stories Don’t End’ beweist Ihr viel Humor. Wie ist das Foto entstanden?

In einem Haus oben in Laurel Canyon. Wir haben ein paar Fotos geschossen und dann kam der Assistent von unserem Fotografen mit einem Kanister Benzin an, um das Feuer größer zu machen. Wylie und Griffin standen drum rum, während Tay und ich saßen. Er hat dann das Benzin ins Feuer gespritzt und es ist immer wieder ausgebrochen. Griffin hat dann ein paar Späße gemacht und ist rumgesprungen. So ist das Foto entstanden und wir dachten, es würde ein wirklich gutes Cover abgeben.

Hattet Ihr noch andere Ideen für das Cover?

Wir wussten nicht genau, was wir machen wollten und waren auch etwas nervös deshalb. Als wir dann das Foto sahen, dachten wir alle „genau das sind wir“. Man sieht immer diese ganzen Fotos von Bands, auf denen sie so cool und seriös aussehen, von solchen haben wir auch unzählige. Wir finden, wir sind ziemlich aufgeschlossene Typen, die auch mal albern sind. Genau so ist es auch, wenn man sich alte Fotos von Bands wie zum Beispiel den Beatles ansieht. Sie haben einfach eine gute Zeit zusammen und nehmen nicht nur gerade ein Bandfoto auf. Als wir dann das Bild von uns sahen, war das das ehrlichste Foto von uns, das wir seit langem gesehen haben und es fühlte sich einfach nach „uns“ an.

Was ist Dein Lieblingstrack vom Album und warum?

Als Songwriter ist wahrscheinlich ‚Just Beneath The Surface‘ der Song, auf den ich am stolzesten bin – beide Teile, der erste und letzte Song des Albums, der zuerst ein Ganzer war. Ich bin auf den Song so stolz, wie auf keinen anderen, den ich jemals geschrieben habe, vom Text und von der Komposition. Diese beiden Songs und ‚Something In Common‘ sind die Titel, auf die ich sehr stolz bin.

Ihr werdet oft als ‚Laurel Canyon Band‘ beschrieben, weil Euch viele Bands beeinflussen, die dort ihren Ursprung haben. Euer neues Album schlägt einen etwas anderen Stil ein. Wolltet Ihr Euch damit von der Bezeichnung ‚Laurel Canyon Band‘ distanzieren?

Wir wollten keine Musik machen, um irgendeinem Stempel aus dem Weg zu gehen. Wir wollten einfach die Musik machen, die am besten zu uns passt. Wir würden nie zu jemandem sagen „wir sind eine Laurel Canyon Band“. So sehen wir uns einfach nicht, auch wenn wir viele der Folkbands lieben. Aber wir hören auch Rock’n Roll Bands wie Tom Petty, The Grateful Dead, The Replacements, … Bands, die man nie als Folk bezeichnen würde. Und wir wollen eine Rock’n Roll Band sein.
Ich glaube, wenn man sich ‘Most People’ anhört oder ‘Just Beneath The Surface’, würde man nie sagen „das ist eine Folk Band“ oder „das ist Laurel Canyon“ oder „das ist Americana“. Das würde uns nicht wirklich beschreiben. Ich würde sagen, „sie sind eine Rock’n Roll Band“.
Die Leute können sagen, was sie wollen, ich kann die Auffassungen Anderer nicht kontrollieren. Aber für uns trifft wohl die Beschreibung „Rock’n Roll Band“ am besten zu.

Wie siehst Du Eure Entwicklung und den Stil des neuen Albums?

Unser erstes Album war sehr folkig, vor allem deshalb, weil wir viel mehr Akustik-Gitarren und weniger E-Gitarren verwendet haben. Und, um ehrlich zu sein, wusste ich zu der Zeit nicht einmal, wie man richtig Gitarre spielt. Nicht, dass es jetzt anders wäre, aber … Lead-Gitarre zu spielen, ist sehr neu für mich. In der Band, wo ich vorher war, war ich nur Rhythmus-Gitarrist und Dawes ist für mich die erste Band, in der ich der einzige Gitarrist bin. Also ist das erste Album sehr folkig gewesen, aber danach mit dem zweiten Album und jetzt mit ‚Stories Don’t End‘ würde ich uns eher als vierköpfige Rockband bezeichnen.

Zum ersten Mal habt Ihr auf Eurem Album Songs, die nicht nur von Dir stammen. Mit Blake Mills zusammen hast Du ‚Side Effects‘ geschrieben und ‚Hey Lover‘ hat er erstmals 2010 auf seinem Debütalbum veröffentlicht. Wieso habt Ihr erst jetzt entschieden, zusammen zu arbeiten und den Song für Euer neues Album aufzunehmen?

Zuerst einmal, weil es ein großartiger Song ist. Er ist sehr eng mit uns befreundet und gehört im Grunde mit zur Familie. Er hatte ihn auf seinem Album veröffentlicht. Weil er aber nicht oft tourt, kennen ihn viele Leute nicht. Wir dachten, es wäre auch eine gute Möglichkeit, mal eine andere Seite von uns zu zeigen. Auch wenn wir den Song nicht geschrieben haben, zeigt er trotzdem, wie wir sind.
Es ist genau so, wie auch mit dem Cover-Foto, eben eine Seite von uns, eine bestimmte Art von Humor oder eine Unbekümmertheit in uns und der Song fängt das glaube ich sehr gut ein. Wir dachten, der Song würde dem Album einen gewissen Leichtsinn verleihen, aber auch einen Bruch. Wir dachten, wir würden dem Album ein gewisses Gleichgewicht geben und das hat uns gefallen.

Im Internet gibt es einen “Dawes Faces”-Tumblr und auf Youtube hat jemand ein Video hochgeladen, auf dem man für knapp zwei Minuten Griffins Gesichtsausdrücke beobachten kann, das wirklich sehr witzig ist. Was ist das verrückteste oder netteste, was ein Fan je für Euch getan hat?

Das Publikum liebt Griffins Gesichtsausdrücke, es ist wirklich sehr witzig. Er sagt immer wieder „Ich mache diese Grimassen nicht mit Absicht und ich will sie auch gar nicht machen, aber ich tu es einfach und alle sagen immer ‚Hey, ich mag Deine Grimassen!‘.“ Ich mache das auch manchmal, es passiert einfach. Ich wünschte es wäre nicht so, aber manchmal spiele ich Gitarre und ertappe mich selbst dabei, wie ich aussehe wie ein Idiot. Es gibt da diese verrückten Geschichten von Fans, aber manchmal sind es auch wirklich großartige Dinge. Erst vor kurzem habe ich herausgefunden, dass ein Englisch-Professor an einer Universität in Kanada seinen Studenten ‚Just Beneath The Surface‘ lehrt, mit ihnen den Songtext durchgeht und sie haben ein ganzes Unterrichtsfach über den Song.

Deine Texte sind sehr beeinflusst durch Eure Heimat Los Angeles, und die Menschen, die dort leben. Was ist das Besondere an den Menschen aus L.A.?

Ich glaube jeder, der von irgendwo herkommt, hat ein ziemlich schwieriges Verhältnis seinem Heimatort. Aspekte, die sich sehr nach Heimat anfühlen, Dinge, die sie wertschätzen. Aber auf der anderen Seite auch solche, die sich nicht so gut anfühlen, von denen man sich wünschte, sie würden nicht existieren. L.A. an sich ist ein Ort, der sehr romantisiert ist. Es war schon immer ein Ort, wo die Leute hinkommen und ihren Träumen nacheifern, um es der Welt zu beweisen, dass sie talentiert und etwas besonderes sind. Gleichzeitig ist es aber auch eine Stadt, in der die Leute verbittert werden können. Wir haben viel von dieser Mentalität gesehen, in denen die Menschen von nichts mehr zu begeistern sind und das ist wirklich sehr schade. Es ist also ein merkwürdiger Ort in vielerlei Hinsicht. Es gibt dort viele Menschen, die von dieser Mentalität betroffen sind und ich glaube, gerade das fasziniert mich so an der Stadt.

Ihr habt noch einige Tour-Termine in den USA vor Euch, bevor Ihr danach eine Pause einlegt. Einen großen Teil von ‘Stories Don’t End’ hast Du geschrieben, während Ihr auf Tour wart. Wo kannst Du in Deinem Prozess des Songschreibens am kreativsten sein?

Für gewöhnlich zu Hause. Wann immer ich zu Hause und allein bin. Das Songschreiben ist für mich nichts, was einfach so aus mir herauskommt. Manchmal sitze ich den ganzen Tag einfach nur rum und plötzlich fällt mir etwas ein, was ich dann weiterspinne. Oft lese ich einfach nur oder spiele Gitarre oder tue einfach nichts und mir fällt auch nichts ein. Ich habe ein Notizbuch und manchmal packe ich einfach Ideen zusammen, die ich hatte. Mein Prozess für das Songschreiben im Moment sieht so aus, dass ich für gewöhnlich zu Hause sein muss. Ich kann nicht nur von Menschen umgeben im Bus sein oder backstage sein, das ist etwas schwieriger für mich.

In den USA spielt Ihr bereits die größeren Locations, in Europa allerdings noch in den kleinen Clubs. Es scheint wie eine kleine Zeitreise zu sein, zurück in die Zeit, als Ihr in den USA gerade angefangen habt. Wie fühlt es sich für Euch an, in die Vergangenheit zu reisen?

Es fühlt sich gut an, wie eine Herausforderung. Wir versuchen einfach, unser bestes zu geben. Wir wollen so schnell wie möglich hier her zurück und raus aus diesen kleinen Locations kommen. Aber das wird so schnell nicht passieren, bis wir nicht öfter herkommen. Und wir wollen Europa zu einem unserer Hauptmärkte machen. Es ist aufregend, wer weiß, was passieren wird. Vielleicht gar nichts. Aber wir wollen auf jeden Fall zurück kommen, nach Deutschland und in all die anderen Städte, in denen wir bisher gespielt haben und das Publikum auf die Größe bekommen, wie wir sie in den Staaten haben.

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